US-Bankentricks: Je höher der Verlust, desto höher der Gewinn!
Michael Grandt / Alexander Strauß
Amerikanische Banken generieren aus Wertverlusten Milliarden von Gewinnen. Wie das geht, lesen Sie hier.
Wie die Zahlen des dritten Quartals 2011 beweisen, sind die großen US-Geldhäuser immer noch sehr erfolgreich. Der Schein trügt
allerdings, denn sogenannte »Regenmacher« greifen tief in die Trickkiste. So ist es möglich, dass trotz riesiger Abschreibungen, Rezessionssorgen und schwacher Kapitalmärkte viele US-Banken
Milliardengewinne verbuchen.
1. Trick: Belastungen herunterrechnen
Der erste von zwei ganz legalen Bilanztricks lässt sich am Beispiel der Zahlen von Morgan Stanley erklären. Bankchef James Gorman präsentierte jüngst die
Bilanz der zweitgrößten US-Investmentbank: 2,2 Milliarden Gewinn oder 1,14 Dollar je Aktie. »Morgan Stanley hat die Turbulenzen am Kapitalmarkt effektiv umschifft«, so Gorman. Und so
ging’s:1,12 Dollar des 1,14-Dollar-Gewinns pro Aktie war einem Bilanztrick geschuldet. Denn aus dem fallenden Wert der eigenen Schulden wurden Profite generiert. Dieser Effekt ist als »Debit
Valuation Adjustments« (DVA) bekannt. Weil der Ruf und somit die Bonität der Bank gelitten hatte, zweifelten die Märkte an einer hundertprozentigen Rückzahlung der Schulden. Der Wert der noch
ausstehenden Anleihen sank. Doch dank DVA kann eine Bank die Belastungen, die aus eigenen Verbindlichkeiten entstehen, herunterrechnen. Die Differenz ist de facto Reingewinn!Doch nicht nur Morgan
Stanley nutzt den DVA-Effekt. Bei JP Morgan und der Citigroup entstanden durch diese Maßnahme Erträge von rund 1,9 Milliarden, bei der Bank of America waren es vor Steuern sogar 6,2 Milliarden
Dollar. Aber auch der zweite Bilanztrick ist völlig legal.
2. Trick: Auflösung von Risikovorsorgepositionen
Dabei geht es um die Auflösung von Positionen der Risikovorsorge aus der Vergangenheit. Während der Finanzkrise waren die großen Geschäftsbanken gezwungen,
extrem hohe Beträge für den Ausfall von Krediten beiseitezulegen. Vor allem Konsumkredite waren betroffen, da der Gegenwert der erworbenen Güter meist den Wert der dafür aufgenommenen Kredite
schnell unterschritten hatte. Dieser Vorgang belastete die Gewinne massiv.Da sich die wirtschaftliche Lage aber nicht so verschlimmerte, wie zunächst angenommen, können diese Vorsorgepositionen
nun zum größten Teil aufgelöst und auf den Gewinn angerechnet werden.Analysten schätzen, dass die Gewinne des US-Bankensektors im dritten Quartal zu etwa 20 Prozent aus der Auflösung von solchen
Positionen bestehen. So wird die Tatsache verschleiert, wie schlecht das operative Geschäft in Wahrheit ist.Natürlich sind die Möglichkeiten der Zahlenspielereien hier begrenzt, da die damals
bereitgestellten Reserven in naher Zukunft aufgebraucht sein werden. Außerdem befindet sich das Land vor einer Rezession, in der es sehr schnell wieder zu Kreditausfällen und somit zur
Notwendigkeit der Schaffung neuer Risikovorsorgepositionen kommen könnte.
3. Trick: Verkauf von Tafelsilber
Eine weitere Option, die Bilanz zu schönen, ist der Verkauf von Tafelsilber. Das Geldinstitut verkauft Teile des eigenen Bestandes und lässt den Erlös dann
in die Bilanz einfließen.Zuletzt schützte sich so die Bank of America damit vor massiven Verlusten. Das Institut veräußerte gleich reihenweise Geschäftssektoren und Beteiligungen. Im dritten
Quartal spülte allein der Verkauf von Anteilen an der China Construction Bank 3,6 Milliarden Dollar in die klammen Kassen. Doch durch diesen »Ausverkauf« rutschte das ehemals größte
Kreditinstitut, hinter JP Morgan, auf den zweiten Platz der US-Großbanken.
Quelle: Kopp Verlag, 26.10.2011